Guter-Samariter-Gesetz
First Aid & CPR Austria
Der barmherzige Samariter: Mitgefühl und Schutz
Die aus der Bibel (Lukas 10,25-37) stammende Parabel vom barmherzigen Samariter erzählt, wie ein halbtot zurückgelassener Reisender von einem Fremden gerettet wird, der ihn versorgt und für ihn sorgt. Über ihren religiösen Kontext hinaus trägt sie eine universelle Botschaft: die moralische Pflicht, anderen in Gefahr aus Mitgefühl und Selbstlosigkeit zu helfen.
Von diesem Grundsatz inspiriert, wurden weltweit zahlreiche Gesetze des barmherzigen Samariters erlassen, die jene vor rechtlicher Verfolgung schützen, die in einem Notfall in gutem Glauben Hilfe leisten. Der genaue Umfang dieses Schutzes ist jedoch von Rechtsordnung zu Rechtsordnung unterschiedlich: Nachfolgend finden Sie, was das für Ihre Region geltende Recht vorsieht.
Ihr Schutz nach dem Gesetz
In Österreich macht § 95 des Strafgesetzbuchs (StGB) — „Unterlassung der Hilfeleistung“ — das Unterlassen der Hilfe zu einer Straftat und stellt damit das Handeln des Helfers von vornherein auf die richtige Seite des Gesetzes. Die Regel ist maßvoll: Die Hilfe muss offensichtlich erforderlich sein, um einen anderen aus einer Todesgefahr oder schweren Verletzung zu retten, doch niemals wird sie unter Gefahr für Ihr eigenes Leben oder Ihre Unversehrtheit verlangt. Das österreichische Strafrecht sieht keinen gesonderten zivilrechtlichen Haftungsschutz für den freiwilligen Helfer vor; es ist die gesetzliche Handlungspflicht selbst, die die Legitimität Ihres Eingreifens begründet.
Hilfeleistungspflicht
In Österreich muss jede bei einem Unglücksfall oder einer Gemeingefahr anwesende Person die offensichtlich erforderliche Hilfe leisten: Solidarität ist keine Höflichkeit, sondern eine Pflicht. Wer sich ihr entzieht, dem drohen bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen, die auf ein Jahr Freiheitsstrafe oder 720 Tagessätze steigt, wenn das Unterlassen den Tod des Opfers zur Folge hat. Das Gesetz verlangt nichts Unmögliches von Ihnen — nur, dass Sie im Rahmen des Zumutbaren handeln — und eine Ausbildung ist der sicherste Weg, im entscheidenden Moment zu wissen, was „zumutbar“ tatsächlich bedeutet.
Warum Ausbildung unerlässlich ist
Das österreichische Gesetz erwartet von Ihnen zumutbare Hilfe; es bleibt nur, zu wissen, wie man sie leistet. Bei einem Herzstillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Wiederbelebung um rund 10 %, und in diesen entscheidenden Minuten, bevor Hilfe eintrifft, hat das Opfer nur den Ersthelfer. Durch eine Ausbildung verwandeln Sie eine gesetzliche Pflicht in eine echte Fähigkeit: den Notfall zu erkennen, wirksam zu drücken und einen Defibrillator ohne Zögern einzusetzen. Es ist der kürzeste Weg zwischen „Ich hätte gern geholfen“ und „Ich wusste zu helfen“. Machen Sie diesen Schritt.